Dating

Neugierig bin ich nicht, aber kundig machen ist doch erlaub. Oder?
Nachdem mir eine Bekannte von ihrem schockierenden Abendteuer mit einem Internetkerl, berichtete (s. „wieso das denn“), wollte ich es genauer wissen.
Mal Neulandentdecker sein und unerlaubten Boden betreten in der eintönigen Zeit.

Huch, wie aufregend.

Genau bei ihrer Datingline eröffnete ich nun ein Profil. Nannte mich
„Kuschelmäusel“, Alter 49 und das Sternzeichen Waage gefiel mir besonders gut.
Schnell noch ein entsprechender Text dazu;
„Suche geile Stunden, ohne klammern mit dir oder dir“
und es konnte losgehen. Das ging es dann allerdings auch. Als ich am nächsten Tag in meinen Posteingang schaute, traute ich meinen Augen kaum. So viele Chancen hatte ich ja in meinem ganzen Leben noch nie.
Eins, zwei, drei.., bei 72 Zuschriften hielt ich mit Zählen auf. Wozu auch? Ich wollte ja keine Buchhaltung eröffnen.
Klick und „Bist du auch so scharf wie ich u. brauchst es zwei bis drei Mal?“
und ab zum Nächsten „wann kann ich dich besuchen und machst du es ohne gummi“, klick, „bin verheiratet und will es auch bleiben, suche sex, sex mit wilden spielen auch ohne klammern“, klick, klick, „schick mir mal ein Foto von dir“, klick.
(deren Schreibfehler baue ich mal nicht mit ein, ich habe meine eigenen).
Puh, lag es daran, dass ich vor dem Frühstück surfte? Mein Magen hätte kotzen können. Mutig sein und weiter lesen, ich wollte es ja wissen.
Die verbal schlimmsten Männer waren meist zwischen 30 und 40 Jahre alt, altersaufsteigend wurden sie anständiger in ihrer Zweideutigkeit.
Doch am meisten hatte es mir die Zuschrift eines 32 Jährigen angetan. Wohnhaft ca. 70 km von mir entfernt, muskulös und mit Erfahrungen in allen Techniken.
Er fragt u. a., nach meinem Holz vor der Hütte, welche Farbe meine Brustwarzen hätten, ob sie dunkel oder mehr hell wären und ob er mich mal richtig durchficken dürfte. Aussehen und Zeit spielten keine Rolle und er könnte es sich immer einrichten. Er sei zwar verheiratet, aber die Alte wäre flach wie ein Brett.

Genau das ist er, das könnte passen.

Auch hatte er die meisten Rechtschreibefehler, „bustwartsen“ gefiel mir sehr gut.
Ihm schrieb ich sofort begeistert zurück, ob es am Sonnabend passe um die und die Uhrzeit und genau da in dem Cafe. Danach könnten wir gleich zu mir und zur Sache gehen. Ihm passte alles, nur ein Auto wäre nicht, also käme er mit dem „Zuch“ und eine Stunde später.
Auch gut, ich hatte ja in der Nähe zu tun und es war für mich kein Aufwand.
In einem Zeitraum von nur 3 Stunden stand das Date und mir wurde schon etwas mulmig.

Was machste da wieder für einen Scheiß?

Also, gestern war ja der Sonnabend,
Mein Outfit zusammen zustellen kein Problem. Jeder Personalchef hätte seine helle Freude daran gehabt. Die sonst wilde Mähne zupfte und steckte ich hoch, Nadelstreifenanzug, dezenter Goldschmuck und perfektes, unaufdringliches Make up. Dazu noch den dunkelblauen Kaschmirmantel, „Kammerschal“ und mein Diplomatenkoffer durfte nicht fehlen. Darin einzig Feuerzeug und eine Schachtel „Pull Mill“.
Ich fand mich sehr attraktiv und damenhaft.

Vorsorglich betrat ich eine ½ Std. früher das Cafe und belegte einen Platz gegenüber der Eingangstür. Rechts neben mir auf dem Stuhl der Angeberkoffer. Perfekt. Nun schnell noch einen Cappuccino bestellt.
Dann, ja dann kam einer, schäbiger brauner Anorak, abgewetzte Jeans und eine Figur wie ein Päckchen „Attta“ von der Seite. Schönheit bei einer Skale von 1 bis 10 gleich 1. Sein Blick hastete unschlüssig hin und her und über mich hinweg. Das musste er sein.
„Wenn du Jens bist, dann nehme doch bitte Platz, ich bin Kuschelmäusel.“
Ich schaute mit distanzierter, jedoch freundlicher Arroganz zu ihm auf.
„Sie, sie sind, äh“, er setzte sich erstaunt links neben mich.
„Waren wir nicht schon mal per du, wieso sagst du wieder sie?“
Er wusste nicht wohin jetzt blicken. Die Kellnerin erlöste ihn und er bestellte sich ein Bier. Ich bat sie zurück: „Bitte für mich noch einen Cappuccino, der Herr hat das vergessen“. Klar, der Herr hatte zu Schlucken, an seinem Mut. Seine Sprache schien auf der Flucht zu sein.
Mein Versuch, ihm tief in die Augen zu blicken, schlug fehl. Die klebten an der Tischdecke.
Es blieb mir nichts anderes übrig, leise begann ich zu sprechen.
„Na Kleiner, wie groß ist denn dein Schwanz?“ Er zuckte zusammen. „Zeig mir doch mal deine Zunge, ob sie gut genug für meine Brustwarzen ist.“
Seine Bubiwänglein wurden flammend rot. Antworten gab es keine, er kaute an seiner Spucke.
„Sag mal warum bist du 70 km mit dem Zug gefahren, wollen wir nicht gehen und es ordentlich krachen lassen?“ Meine Stimme schwappte vor Spott fast über.
Mit zittrigen Händen knallte er 3,00 € auf den Tisch und rannte raus. Das nenne ich Totalverweigerung.
Ich angelte mir die Schachtel Zigaretten aus dem Aktenkoffer, lehnte mich zurück und begann genüsslich zu rauchen. Plötzlich schauten mich die anderen Gäste seltsam an. Lauthals hörte ich mich lachen, lachen, lachen.

Wieder zu Hause angekommen, war mein erster Gang an den PC. Profil löschen war angesagt.
Ich wusste genug.
Bolle Lehmann - 19. Mär, 09:55

Der Ärmste hat jetzt seinen Schock weg. Was hat er wohl gemacht als er wieder zu Hause ankam? Der erste Gang auch zum PC?? ...

Zauberblicke - 19. Mär, 11:49

Wenn das ganze Wahrheit wäre... *lach*

ich spinne mal weiter, ein neues Opfer gesucht unter dummen Frauen.
Mauzi - 19. Mär, 10:00

hahah!!!! lach tot!!!! Das ist ja genial... und wie mutig von Dir. Hätte ja auch nach hinten losgehen können? Welchen Notfallplan hattest Du?

Zauberblicke - 19. Mär, 11:52

Notfallplan? Natürlich keinen.

Am PC kann man sich ja richtig ausspinnen.
Ich habe beim Schreiben auch köstlich gelacht. Wie gesagt, alles nur erfunden!
Mauzi - 19. Mär, 16:25

oooch, schade!
Iggy - 19. Mär, 10:49

Dass diese

unsagbaren Kerle auch immer sofort den Schwanz einkneifen...

Zauberblicke - 19. Mär, 12:06

Tja, die Anonymität

und die Realität...
Was hat DER wohl für eine Frau erwartet? *grins und zwinker*
sravana - 21. Mär, 09:54

also

ich habe diese Geschichte auch geglaubt, sie entspricht der selbst erlebten Realität. So viele verheiratete suchen ein Erlebnis ohne Folgen im Netz. Auch wenn das Profil einen ganz anderen Text aufweist.

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