Mittwoch, 30. August 2006

zweitfrau

zweitfrau

ich bin
dein

sahnehäubchen?
auf
abgestandenem kaffee
süß, so weiß wie cremeschnee
schleck mich mit wollustlippen
wie schön am schaum zu nippen
das schale schlürfe aus
zu haus, zu haus, ZU HAUS

ich bin
mein

eigen täubchen!

Montag, 28. August 2006

Teil 2 "Sie und Er und das Gleichgewicht" - E n d e


…beginnt er, mit unentschlossenem Gesichtsausdruck, die Arme zu heben. "Habe ich etwas zum Hochwerfen?" Glaubt sie darin zu erkennen. Doch er nimmt überraschend einen großen Anlauf - strauchelt, landet im Dreck.
Dabei fällt aus seiner Jackentasche ein Papierbogen und ein Foto. Bevor sie ihn beim Aufstehen stützt, hebt sie gedankenlos beides auf und nimmt es an sich.
Zitternd klopft er den Staub von seiner Kleidung. Sie nutzt diese Winzigkeit an Zeit, schaut auf Brief nebst Foto.
“Ich brauche dich und sehne mich nach deinen Küssen“, liest sie mit erstauntem Blick. Das Foto zeigt eine junge, schöne Frau.

Da wendet sie sich von ihm ab und flüstert: „Man kann die Liebe nicht aufwiegen. Gegen nichts auf der Welt. Sie ist da und meine Liebe bleibt auch dort, wo ich sie hingeworfen habe.“
Dann dreht sie sich enttäuscht, aber mit festem Schritt um und geht.

Sonntag, 11. Juni 2006

Sie und er und das Gleichgewicht


"Wir sollten wiegen gehen", meint sie irgendwie bedrückt zu ihm. Erstaunt blickt er auf sie, " dein Gewicht ist genau richtig für mich, ich mag deine Figur, wie sie ist".
"Nein, du verstehst mich falsch. Ich meine nicht unser Körpergewicht, sondern das Gleichgewicht in unserer Beziehung. Schau bitte, ich habe uns dafür eine Balkenwaage mitgebracht. Mit einer schwarzen Waagschale für alles Negative in und um uns sowie einer roten für alles Schöne. Nicht nur, weil die Waage einen Balken hat, habe ich sie da oben auch an einem gehängt und die Ketten zu den Waagschalen verlängert."
"Was du immer für Ideen hast und vor allem, welche Gedanken in dir sind, mein Schatz. Nimm es doch einfach so wie es ist und kommt." Er schüttelt überfordert seinen Kopf und eine Winzigkeit sieht sie ihn mit den Augen rollen. "Ich weiß gar nicht, wie du das meinst." Seine Augenbrauen gehen noch mehr ineinander über.
Bevor er wieder, wenn er Probleme wittert, mit seinen Scherzen anfängt, spricht sie flink weiter. "Bitte, ich erkläre es dir. Es ist schon sehr wichtig für mich". Sie bleibt ruhig dabei - in ihrer Gestik und der Stimmlage.
"Ich fülle erst die schwarze Schale und dann werden wir uns gemeinsam die rote vornehmen.
Da habe ich die vielen neugierigen Blicke und deine Unsicherheit, dass sie tiefer sichten könnten. Dein Schauen, ob dich jemand erkennt. Deine Angst vor einem Angesprochen werden, was du wohl hier und vielleicht auch mit mir tust".

Schwarz ist am sinken. Nicht viel, aber die Schale bewegt sich nach unten. Im Gegenzug hebt sich die rote Schale etwas.

"Dann gebe ich deine und meine Zeit füreinander dazu. Zeit, die nur gestohlen ist, sehr knapp, mit dem heimlichen Blick zur Uhr verbunden. Sie läuft uns immer zu schnell davon. Hinterher stelle ich mir die Frage, ob sie auch optimal genutzt wurde. Oftmals kann ich das nicht voll und ganz bestätigen. Was bleibt ist der innige Wunsch nach mehr. Doch mehr wird es nicht geben. Bedenke ich deine anstehenden Aufgaben wird sie eher viel weniger".

Der Abstand zwischen schwarz und rot wird größer. Rot bewegt sich von ihr und ihm weg.
Er krampft erschrocken ihre Hand.

"Nun lege ich auch meine Ängste noch hinein. Angst, dass die neugierigen Blicke Münder bekommen. Worte zu Ohren, in Herzen getragen werden, die dann schmerzen. Vielleicht wird dann ein Ultimatum gestellt und unsere Zeit zerbricht. Was wird dann in dir und mir kaputt gehen?" Er wirkt zerknirscht, fast schockiert: "Diese Fragen habe ich mir noch nie gestellt und ich weiß nicht, was ich dann tun werde."
"Ja, dass ist ja meine Angst, du könntest mich abwehren, am Alten festhalten. Nur da sind noch mehr Ängstlichkeiten. Könnte es einmal sein, dass ich dir zu alt werde, du eine jüngere und schönere Frau vorziehst, die dich mehr betört? Oder du meiner überdrüssig wirst? Dann ist die Angst, dir könnte irgendwas passieren. Ich würde es nicht erfahren. Wie auch? Andersherum ist dies geklärt".

Er holt tief Luft. Die schwarze Waagschale saust zu Boden, nur noch Millimeter weit vom Erdboden entfernt. Gleich wird sie den Staub berühren.

"Doch ich bin noch nicht fertig. Da sind noch meine Zweifel. Zweifel, meine Gefühle zu dir sind die stärkeren, beständiger, meine Treue steht klar und fest. Was geht aber in dir vor - auch in Zukunft?"

"Halt auf", schreit er.
Schwarz hat in dem Moment schwer die Erde erobert. Schmutzpartikel kreiseln auf. Noch immer Hand in Hand stehen die Beiden und sehen resigniert weit nach oben zur roten Schale.

Es blitzt in ihren Augen, "nun bist du mit Rot an der Reihe." Er wirkt unsicher und eine längere Sprachpause setzt ein. Tief atmend beginnt er: "Unser Lachen bringe ich da hoch".

Es wirbelt durch die Luft. Doch es schwirrt wie ein Schmetterling und setzt sich nicht schalenfest. Ein zu kleines Gekicher bleibt haften und bringt Rot nicht nach unten.

"Dann versuche ich es weiter mit meinem unerschütterlichen Bemühen um dich, mein ständiges auf dich Zugehen, das Eingehen auf deine Wünsche, dem Zerstreuen deines Wankelmutes. Ehrlich ich kann da bald nicht weiter. Zuviel kam da bereits von mir und ich zaubere das jetzt weit hoch".

Die rote Waagschale sinkt merklich einem Gleichstand entgegen.

"Bitte mach du mit der roten Schale weiter, ich möchte deinen Anteil nach all den negativen Gedanken gewertet sehen", fleht er. Ja, da ist ihre langsam gewachsene Liebe. Viel später in ihr Herz geschlüpft, als sein Liebesgeständnis. Gewehrt hat sie sich, seinen Worten nicht getraut. Schwarz zeigt eigentlich, wie sehr sie heute noch zweifelt.
Doch sie ist jetzt da, ihre große und schöne Liebe!
"Wie bekomme ich sie da hoch? Ziele ich richtig? Reicht das Schalenvolumen dafür aus? Was ist, wenn sie daneben fällt, im Dreck landet oder von dem spitzen Stein dort einfach aufgespießt wird?"
Sie schließt die Augen und wirft ihre gesamten liebenvollen, warmen Gefühle - ihre Liebe - mit Kraft Richtung roter Schale.

Getroffen!
Die Balken und somit auch die Waagschalen stehen im Gleichgewicht.

"Ich möchte aber Rot vor unseren Augen haben, darauf blicken können", spricht sie leise.
"Also, was ist mit deiner gesprochenen Liebe?"
Da kommt ein Stöhnen und Seufzen aus seiner Brust und dann…


Mittwoch, 24. Mai 2006

Fit



Büroertüchtigung

Meine Augen blitzen Salto
aus deinem Ordnerstapel

Mein Lächeln turnt
dir entgegen
lädt sich dein Bildschirm

Meine Stimme surft
in dich
beim Drücken des AB

Dein Herz schlägt Purzelbaum
Hüpft in mein Handy

Seiltanzt dann zu mir:
„Lass uns die Bauchübung
wiederholen
wenn der Tag sich kniebeugt“

Dienstag, 16. Mai 2006

S p ä t


Wie alle Tage sitzt sie am großen, gardinenfreien Fenster.
Die Natur drängt sich glanzvoll in ihr Zimmer.
Doch etwas ist heute ganz anders. Es lässt die Wirklichkeit
neblig werden – verschwimmen.
Auf ihrem Schoß liegt ein vergilbtes Foto, gefunden zwischen
Papierkram. Immer und immer streichen die faltigen Hände liebevoll darüber.
Ihr Blick schweift dabei in die Weite des Parks und bleibt an einer Baumgruppe haften. Wahrnehmen kann ihr Verstand diese nicht.
Er bekommt weite Flügel.

Sie musste zu ihm, weil am nächsten Tag hunderte Augenpaare ihre Zweisamkeit unerträglich stören würden. Kaum auszuhalten waren bereits die vielen Fragen von Nachbarn und Bekannten.
Heimlich, damit die Familie sie nicht zurückhielt oder hinterher löcherte.
Mit bangem Gefühl stieg sie die Anhöhe hinauf zum kleinen Haus. Eine schwarz gekleidete Frau stand dort und alles wirkte noch beklemmender.
„Bitte, ich möchte da rein – zu ihm."
Vor Mundtrockenheit wäre ihr dieser Satz fast nicht gelungen. Schlucken und nach Stärke aussehen. Ja, dies konnte sie schon damals gut.
Seltsam lächelte die Frau und musterte sie dabei eindringlich. Doch sperrte sie unerwartet schnell auf. „Wenn du mich brauchst, ruf“, sie strich ihr sekundenlang über das Haar. „Kann ich dich allein lassen?“ „Ja, lassen sie die Tür aber auf, bitte.“
Nein, sie wollte niemanden dabei haben, nein. Er und sie allein, deshalb einen Tag vorher.
Das erste, das sie im Zwielicht sah, war sein lächelnder Mund.
Oh, wie gut.
Zwischen seinen Lippen befanden sich winzige Speichelbläschen, das volle Haar ordentlich gekämmt und das fast faltenfreie Antlitz strahlte Zufriedenheit aus. Ihre aufkeimende Panik ging in vollkommene Ruhe über.
Er hatte sich nicht verändert. Nur die Äderchen auf seinen Wangen fehlten und seine leuchtend hellblauen Augen konnten sie nicht anschauen.
Sie nahm ihn lange in sich auf, jedes Detail.
Doch dann sprudelte es aus ihr:
„Warum hast du das getan? Es ist doch so schönes Wetter, Emma hat gestern ihr erstes Ei gelegt, ich brauche deine Farben für mein Bild, du sollst auf mich nach der Schule warten, sagen wie fein ich alles gemacht habe, wie stolz du auf mich bist, dass ich dein liebstes bin. Du hast versprochen, mich nie im Stich zu lassen. Zu wem soll ich jetzt gehen, wenn ich geärgert werde? Komm mit nach Hause, du warst immer nur gut. Schau mich doch an!"
„Du bist jetzt über eine Stunde hier und überhaupt, dass ist zu viel für ein so zartes Mädel." Die Frau stand in der Tür und sprach sanft weiter: "Ich habe längst Feierabend, geh jetzt."
„Ja, bis morgen."
Knarrend drehte sich der Schlüssel im Schloss der schweren Leichenhallentür.

„Frau Wagner, welchen Tee möchten sie zum Abendbrot, wieso sitzen sie im Dunkeln?“
Die Schwester knipst das Licht an und schiebt den Rollstuhl an den Tisch „und warum weinen sie? Das machten sie doch noch nie."
„Ach, Schwester Christa, Kräutertee. Und ich war gedanklich weit weg, spürte keine Dunkelheit. Dafür begreife ich nach 80 Jahren, 4 Ehen und 7 Kindern, dass auch ich ein Mal geliebt wurde.
Ich war bei meinem Großvater."


Sonntag, 30. April 2006

Heute...

ist der
"Tag der gewaltfreien Erziehung".

Dazu sage ICH nur:
"Kinder sind unschlagbar!"


Samstag, 29. April 2006

Feuer


Feuer 30. 4.

zu hohe Flammen züngeln
zum sternenlosen Himmel
gestreute Funken wirbeln
die Liebe wird verhext

übermächtige Arme
stoßen mich ins Feuer
langsam vergehe ich
bin bald Nichts

es ist
AUS
es war
Walpurgisnacht

und die Asche lebt

Mittwoch, 26. April 2006

...




Waldspaziergang

von Baum zu Baum gewunden
die Rinde dabei abgeschubbert
eng umschlungen Zungen tänzelnd
bis zum nächsten Ast

augentrunken fest geliebt
wie Lianen ineinander kleben

unter unseren Füßen
kratzten wir das Moos
mit Mündern fegten wir
Welkes der Vergangenheit

und hinter der nächsten Birke
fielen letzte Hüllen


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